Organisation · Fluktuation
Fluktuation. Die Quote zeigt ein Muster. Die Ursache zeigt sie nicht.
Was Fluktuation ist, wie du die Fluktuationsrate berechnest, was die Zahlen für Österreich sagen und was HR auswerten kann, während anderes nur die Geschäftsführung entscheiden kann.
Muster besprechen01
Was ist Fluktuation?
Von Fluktuation spricht man, wenn Menschen ein Unternehmen verlassen, auf Englisch employee turnover.
Im engeren Sinn zählen dazu nur Kündigungen durch die Mitarbeitenden selbst, dazu Ruhestand und Todesfälle (Gabler Wirtschaftslexikon).
Wenn die Quote steigt, landet die Frage meistens bei HR.
Entstanden ist sie oft woanders: dort, wo Arbeit zugeschnitten und entschieden wird.
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Fluktuationsrate berechnen
Zwei Formeln sind verbreitet.
Die BDA-Formel (Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände): Abgänge im Zeitraum geteilt durch den durchschnittlichen Personalbestand, mal hundert. Gabler zählt dabei nur Abgänge, die von den Mitarbeitenden ausgehen. Viele andere zählen alle Abgänge.
Die Schlüter-Formel: Abgänge im Zeitraum geteilt durch den Personalbestand am Anfang plus die Zugänge im Zeitraum, mal hundert. Mit dieser Formel rechnet Statistik Austria.
Ein Rechenbeispiel: Du hattest am 1. Jänner 40 Beschäftigte, im Jahr kamen 8 dazu, und 6 sind gegangen. Nach Schlüter rechnest du 6 geteilt durch 48, also ist jede achte Person gegangen. Als Prozentwert ausgedrückt: 12,5.
Wichtig: Beide Formeln liefern bei denselben Zahlen unterschiedliche Ergebnisse. Vergleiche deshalb nur Werte, die nach derselben Formel gerechnet wurden.
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Was ist eine übliche Fluktuationsrate?
Eine verlässliche Vergleichszahl für einzelne Betriebe gibt es nicht. Was dazu im Netz steht, stammt fast immer von Anbietern von HR-Software, ohne nachvollziehbare Quelle.
Die amtliche Zahl für Österreich klingt hoch: Laut Statistik Austria lag die Fluktuationsrate 2024 bei 38,3 % (Statistik Austria, Tabelle Fluktuationsraten 2010 bis 2024).
Sie zählt aber jedes Ende eines Beschäftigungsverhältnisses mit, auch Kündigungen durch den Arbeitgeber, Saisonarbeit und geringfügige Jobs.
Laut derselben Erhebung liegt sie je nach Branche etwa bei 18,2 % in den Finanz- und Versicherungsleistungen und bei 85,7 % in privaten Haushalten.
Für deine eigene Quote heißt das: Vergleiche dich zuerst mit dir selbst. Mit dem Vorjahr, mit einzelnen Teams, mit der Zeit vor einer Veränderung.
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Eine Quote zeigt ein Muster, keine Ursache
Eine Fluktuationsrate sagt dir, dass Menschen gehen. Warum sie gehen, sagt sie dir nicht.
Gabler nennt typische Gründe: Wer in den ersten zwölf Monaten kündigt, hat oft mit Auswahl und Einarbeitung zu kämpfen. Später geht es häufiger um Arbeitsinhalte, Arbeitszeit, Bezahlung, Entwicklungsmöglichkeiten und die Zusammenarbeit mit Kolleg:innen oder der Führungskraft.
Bezahlung ist dabei nur ein Grund von mehreren. Die meisten anderen sind Fragen von Rolle und Organisation.
Wenn mehrere Menschen aus demselben Team gehen, lohnt sich ein genauer Blick: Drei Kündigungen im selben Team.
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Was HR auswerten kann, und was nur die Geschäftsführung entscheiden kann
Was HR auswerten kann:
- die Quote getrennt nach Team, Führungskraft und Dauer der Zugehörigkeit;
- wie viele innerhalb der ersten zwölf Monate gehen;
- was in Austrittsgesprächen immer wieder genannt wird;
- wo die Quote nach einer Veränderung gestiegen ist.
Was nur die Geschäftsführung entscheiden kann:
- wie Rollen zugeschnitten sind und was sie entscheiden dürfen;
- ob Führungskräfte wirklich führen dürfen oder nur weiterleiten;
- welche Entwicklung es für gute Leute im Unternehmen überhaupt gibt;
- ob eine Rolle mit dem Leben eines Menschen mitwachsen kann.
HR sieht das Muster meistens zuerst. Lösen kann es HR oft nicht allein.
Genau darüber habe ich beim HR Inside Summit 2026 gesprochen: warum viele Personalthemen eigentlich Organisationsfragen sind. Eine feste Reihenfolge dafür steht unter Vier Fragen vor jeder HR-Maßnahme.
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Nicht jeder Abgang ist ein Problem
Menschen ziehen um, gründen eine Familie, pflegen Angehörige oder machen den nächsten Schritt. Das gehört dazu.
Zum Hinweis wird ein Abgang dann, wenn jemand bleiben wollte und gehen musste, weil sich die Rolle nicht anpassen ließ: an weniger Stunden, an mehr Verantwortung, an eine neue Lebensphase.
Und wenn die Besten gehen, lies hier weiter: High Performer.
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Häufige Fragen
Welche Arten der Fluktuation gibt es?
Meist unterscheidet man die Kündigung durch Mitarbeitende von der natürlichen Fluktuation durch Ruhestand oder Tod. Oft wird zusätzlich die Frühfluktuation betrachtet, also Abgänge im ersten Jahr.
Wie lange sind Beschäftigte in Österreich im Schnitt schon beim selben Arbeitgeber?
Laut OECD im Schnitt 9,6 Jahre (2025), gemessen als bisherige Dauer im aktuellen Job, für unselbständig Beschäftigte zwischen 15 und 64 Jahren.
Ist eine hohe Fluktuation immer schlecht?
Nein. Sie hängt stark von der Branche ab, und manche Abgänge sind richtig. Schlecht wird sie, wenn immer wieder dieselben Rollen oder dieselben Teams betroffen sind.
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Weiterlesen
Bei euch gehen auffällig viele, und keine Maßnahme hat bisher geholfen? Lass uns auf das Muster dahinter schauen und sortieren, ob das ein HR-Thema ist oder eine Organisationsfrage.
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Die Presse · „30 unter 35“ · über 25 Unternehmen und Kanzleien begleitet · HR Inside Summit 2026, Hofburg Wien
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