Organisation · Fachkräftemangel
Fachkräftemangel in Österreich ist real. Manchmal suchst du trotzdem eine Person für drei Jobs.
Die Zahlen für 2026, kurz eingeordnet. Und warum die Lösung manchmal vor der Stellenanzeige beginnt: bei der Frage, wie die Arbeit geschnitten ist.
30 Minuten sprechen01
Wie groß ist der Fachkräftemangel in Österreich?
Groß. Und er ist echt.
Laut dem Fachkräfteradar 2026 von ibw und WKO spüren ihn 78 % der befragten Betriebe (Unternehmensbefragung im April 2026).
Für dein Unternehmen heißt das meistens zuerst: mehr Arbeit für die, die schon da sind.
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Was die Zahlen sagen. Und was nicht.
Aus derselben Befragung rechnet das ibw rund 155.000 offene Stellen für Fachkräfte hoch, bezogen auf alle Mitgliedsbetriebe der WKO.
Beim AMS waren Ende September 2026 dagegen 78.267 offene Stellen gemeldet, laut dem Bericht zur Arbeitsmarktlage an den Ministerrat.
Welche Zahl stimmt?
Beide.
Sie messen nur etwas anderes: Die eine ist eine Hochrechnung aus einer Befragung von Betrieben, die andere zählt, was beim AMS gemeldet ist.
Keine von beiden sagt dir allerdings, warum genau deine Stelle offen bleibt.
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Wo die Arbeit landet, wenn die Stelle offen bleibt
Auch danach hat das ibw gefragt.
Ganz oben: mehr Arbeit für die vorhandenen Mitarbeiter:innen und eine Zusatzbelastung für die Firmenchef:innen und ihre Familienangehörigen.
Das Zweite trifft laut Fachkräfteradar auf rund 80 % der Betriebe zu, die den Mangel spüren.
In den offenen Antworten des Forschungsberichts beschreiben einzelne Betriebe sogar, dass Aufgaben auf die Geschäftsführung verlagert werden.
Kurzfristig ist das vernünftig – irgendwer muss die Arbeit ja machen.
Nur wird aus der Übergangslösung ziemlich leise eine Struktur.
Und irgendwann ist die offene Stelle die einzige im Haus, die keine Überstunden macht.
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Eine Person für drei Jobs
Jetzt die Gegenthese.
Viele Stellen, die lange offen bleiben, sind über Jahre gewachsen.
Was einmal eine Fachkraft war, soll heute Fachkraft, Projektleitung und halbe Führung zugleich sein.
Genau diese Person gibt es am Markt selten. Mit oder ohne Fachkräftemangel.
Ein paar Hinweise, dass es bei dir so sein könnte:
- Die Stellenbeschreibung ist mit jeder Ausschreibung länger geworden.
- Die Aufgaben der Stelle sind längst verteilt, nur offiziell hat sie niemand.
- Entscheidungen, die zu dieser Rolle gehören würden, laufen weiter über dich.
- Es fangen immer dieselben zwei Leute alles auf, egal welche Stelle gerade offen ist.
Das sagt wenig über den Arbeitsmarkt. Und ziemlich viel darüber, wie die Arbeit bei euch geschnitten ist.
Menschen sind teuer. Unklarheit ist teurer.
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Fachkräftemangel: Die Lösung beginnt vor der Stellenanzeige
Ich halte mich an eine Reihenfolge: zuerst die Rolle, dann die Person.
So schneidest du die Arbeit neu:
- Schreib auf, was die offene Stelle heute tatsächlich alles umfasst. Auch das, was nirgends steht.
- Trenn, was zusammengehört und was nur historisch zusammengewachsen ist.
- Entscheide, für welches Unternehmen du die Rolle schneidest: für das von heute oder für das, das du in drei Jahren führen willst.
- Kläre, was diese Rolle allein entscheiden darf.
- Erst dann: suchen, intern entwickeln oder bewusst weglassen.
Schritt drei ist der unbequemste.
Und der wichtigste. Eine Rolle, die für das Unternehmen von gestern geschnitten ist, bleibt auch mit der richtigen Person die falsche.
Wie das im Einzelfall aussieht: Die Stelle ist seit Monaten offen.
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Woher ich das kenne
Ich komme aus HR und Recruiting. Einen engen Markt kenne ich von innen.
Beim HR Inside Summit 2026 in der Hofburg habe ich darüber gesprochen, warum viele Personalthemen eigentlich Organisationsfragen sind.
Der Fachkräftemangel ist dafür das beste Beispiel. Er stimmt ja.
Und genau deshalb fragt danach selten jemand weiter.
Wenn du weiterfragen willst, hilft eine feste Reihenfolge: anschauen, was passiert, klären, wo die Ursache sitzt und wer sie lösen kann, und erst dann über die Maßnahme reden. Ausführlich: Vier Fragen vor jeder HR-Maßnahme.
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Häufige Fragen
Welche Berufe sind in Österreich Mangelberufe?
Welche Berufe 2026 bundesweit als Mangelberufe gelten, steht in der offiziellen Liste der bundesweiten Mangelberufe auf migration.gv.at. Besonders stark spüren den Mangel laut Fachkräfteradar 2026 das Bau- und Baunebengewerbe, die Herstellung von Nahrungsmitteln und Holzwaren sowie das Gesundheits- und Sozialwesen.
Wird der Fachkräftemangel in Österreich besser oder schlechter?
Seit dem Höchststand 2022 ist er laut ibw spürbar zurückgegangen, liegt aber weiter auf sehr hohem Niveau. Und die Mehrheit der befragten Betriebe rechnet in ihrer Branche mit einer weiteren Verschärfung in den nächsten drei Jahren.
Hilft es, einfach mehr zu zahlen oder mehr zu suchen?
Manchmal ja, vor allem wenn der Markt für eine Rolle wirklich eng ist. Höhere Gehälter und mehr Aufwand für die Personalsuche gehören laut Fachkräfteradar ohnehin schon zu den häufigsten Folgen des Mangels. Wirken können beide aber erst, wenn klar ist, welche Rolle du besetzt.
Was kann ich tun, solange die Stelle offen ist?
Die Arbeit bewusst verteilen, statt zu warten, bis sie irgendwer auffängt. Schreib auf, welche Aufgaben der offenen Stelle gerade wer übernimmt, bis wann, und was dafür liegen bleiben darf.
Ist das ein Thema für HR oder für die Geschäftsführung?
Sichtbar wird es meistens bei HR. Entstanden ist es oft woanders. Dann müssen wir zuerst herausfinden, wo das Problem tatsächlich sitzt und wer es lösen kann. Mehr dazu: Wo HR-Verantwortung endet.
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Weiterlesen
Du willst wissen, ob du eine Stelle besetzen oder die Arbeit neu schneiden solltest? In 30 Minuten schauen wir uns das an. Du bekommst eine Einschätzung und einen nächsten Schritt. Ob daraus mehr wird, entscheidest du später.
30 Minuten. Besetzen oder neu schneiden: Danach weißt du es.
Die Presse · „30 unter 35“ · über 25 Unternehmen und Kanzleien begleitet · HR Inside Summit 2026, Hofburg Wien
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