Business Mentoring · Führung
Führungsstile. Es gibt keinen richtigen. Es gibt einen, der zur Phase passt.
Was ein Führungsstil ist, welche klassischen Modelle es gibt und wie gut sie belegt sind. Und warum der Stil, der dich hierher gebracht hat, oft der ist, der dich jetzt aufhält.
Standort bestimmen01
Was ist ein Führungsstil?
Ein Führungsstil ist die typische Art, wie jemand führt, also ein wiederkehrendes Muster von Führungsverhalten.
Wiederkehrend ist das entscheidende Wort.
Ein Stil ist eine Gewohnheit. Und Gewohnheiten passen nicht zu jeder Phase.
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Erst die Phase, dann der Stil
Die meisten Seiten zu diesem Thema beginnen mit einer Liste von Stilen. Ich beginne mit einer Frage: In welcher Phase steht dein Unternehmen?
Ein Unternehmen, das gerade entsteht, braucht jemanden, der vorangeht und vieles selbst macht.
Ein Unternehmen mit mehreren Bereichen braucht jemanden, der Entscheidungen verteilt und Zusammenhalt herstellt.
Wer in einer neuen Phase noch führt wie in der alten, bremst sein eigenes Unternehmen.
Darum glaube ich nicht an den einen richtigen Führungsstil.
Ich glaube an klare Führung. New Leadership bedeutet für mich nicht weniger Führung. Es bedeutet klare Führung.
Die Phasen selbst beschreibe ich bei der Unternehmensentwicklung.
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Klassische Führungsstile: autoritär, demokratisch, laissez-faire
Diese Dreiteilung geht auf Kurt Lewin zurück. Gabler beschreibt sie so:
- Autoritär: Die Führungskraft entscheidet allein, ohne die Geführten einzubeziehen.
- Demokratisch: Die Führungskraft beteiligt die Geführten aktiv an Entscheidungen.
- Laissez-faire: Die Führungskraft lässt die Geführten weitgehend gewähren.
Was dazu selten erzählt wird: Die berühmten Versuche von Lewin, Lippitt und White aus den Jahren 1938 und 1939 fanden in Freizeitclubs von zehn- bis elfjährigen Kindern statt (Billig, 2015). Gemessen wurde vor allem Aggression, nicht Leistung im Betrieb.
Gabler selbst kritisiert frühe Stilmodelle als „zu idealtypisch und schlicht, um die Komplexität des Führungsalltags adäquat abzubilden“.
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Das Kontinuum von Tannenbaum und Schmidt
1958 schlugen Robert Tannenbaum und Warren Schmidt in der Harvard Business Review statt zwei Stilen eine Skala mit sieben Punkten vor (How to Choose a Leadership Pattern).
Sie reicht von der Führungskraft, die allein entscheidet und verkündet, bis zur Gruppe, die innerhalb vorgegebener Grenzen selbst entscheidet.
Keiner der Punkte ist richtig oder falsch. Die Frage ist, welcher zur Entscheidung passt.
Genau diese Skala steckt auch hinter guter Delegation: Delegieren.
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Situatives Führen nach Hersey und Blanchard
1969 beschrieben Paul Hersey und Kenneth Blanchard, dass der passende Stil von der Reife der Mitarbeitenden abhängt (Hersey und Blanchard, 1969).
Heute kennt man die vier Stile meist als Anweisen, Überzeugen, Beteiligen und Delegieren. Diese Namen kamen allerdings erst später dazu.
Das Modell ist beliebt, aber wissenschaftlich schwach belegt. Eine kritische Übersicht spricht von logischen Widersprüchen, unklaren Begriffen und Verwirrung durch mehrere Fassungen des Modells (Graeff, 199790014-X)).
Und die Theorie von 1969 stützt sich auf ein Beispiel aus der Erziehung und eine frühere Studie von Korman, nicht auf eigene Daten.
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Die sechs Führungsstile nach Goleman
Daniel Goleman beschrieb im Jahr 2000 in der Harvard Business Review sechs Stile (Leadership That Gets Results). In meiner Übersetzung:
- Fordernd: „Mach, was ich sage.“
- Richtunggebend: „Komm mit.“
- Verbindend: „Die Menschen zuerst.“
- Demokratisch: „Was denkst du?“
- Tempo vorgebend: „Mach es wie ich, jetzt.“
- Coachend: „Probier das.“
Golemans Botschaft: Gute Führungskräfte wechseln zwischen mehreren Stilen.
Die Daten dazu stammen allerdings von der Beratungsfirma Hay/McBer, mit der Goleman laut eigener Fußnote zusammenarbeitet. Eine unabhängige Studie ist das nicht.
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Welcher Stil passt wann?
Meine Lesart, keine Studie, entlang der ersten vier Phasen nach Greiner:
- Kreativität: Du führst vor allem durch Vorangehen. Das Risiko: Alle warten auf dein Tempo.
- Lenkung: Du gibst Richtung. Das Risiko: Die Besten wollen mitentscheiden, und es gibt keinen Platz dafür.
- Delegation: Du verteilst Entscheidungen mit Leitplanken. Das Risiko: Du holst sie zurück, sobald es eng wird.
- Koordination: Du baust Strukturen, die Freiheit schaffen. Das Risiko: Am Ende verwaltet sich die Struktur selbst.
Nähe ersetzt dabei keine Führung. Ein verbindender Stil ist wertvoll, solange er nicht davon abhält, Leistung einzufordern.
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Ein kurzer Selbstcheck
- Wann hast du deinen Führungsstil zuletzt bewusst verändert?
- Welche Entscheidung triffst du heute noch so wie vor drei Jahren?
- Was braucht dein Team gerade von dir, das du ihm nicht gibst?
- Und was willst du in dieser Phase deines Lebens eigentlich selbst führen?
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Häufige Fragen
Was sind klassische Führungsstile?
Meist ist die Dreiteilung nach Kurt Lewin gemeint: autoritär, demokratisch und laissez-faire. Sie ist bekannt, aber für den Führungsalltag in Unternehmen kaum belegt.
Welcher Führungsstil ist der beste?
Keiner für immer. Welcher Stil passt, hängt von der Phase des Unternehmens, der Entscheidung und den Menschen ab. Klare Führung ist wichtiger als ein bestimmter Stil.
Welcher Führungsstil passt zu einem KMU?
In kleinen Unternehmen führt die Geschäftsführung oft lange durch Vorangehen. Wächst das Unternehmen, muss sie zunehmend delegieren und Rahmen setzen. Der Wechsel zwischen diesen Phasen ist der heikle Moment.
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Du merkst, dass dein Führungsstil nicht mehr so wirkt wie früher? Dann lass uns anschauen, in welcher Phase dein Unternehmen steht und was es gerade von dir braucht.
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