Was ein Strategy Sprint leisten kann – und wo er endet.
Zwei Tage, ein Team, ein Raum ohne Tagesgeschäft. Am Ende steht ein Plan, der klarer ist als alles, was in den letzten neun Monaten zwischen Tür und Angel entschieden wurde. Strategy Sprints sind deshalb beliebt, weil sie tatsächlich funktionieren. Jedenfalls für das, wofür sie gebaut sind.
Das Format kommt ursprünglich aus der Produktentwicklung: eine klar begrenzte Zeitspanne, eine eng gefasste Frage, ein Ergebnis, das danach überprüfbar ist. In der Unternehmensstrategie wird daraus meist ein kompakter Prozess über ein bis fünf Tage. Standortbestimmung, Entscheidungsfrage, Optionen, Auswahl, erste Schritte. Manchmal mit externem Blick von außen, manchmal moderiert aus dem eigenen Haus.
Wofür das gut ist: wenn eine konkrete Entscheidung ansteht und ihr sie seit Monaten vor euch herschiebt. Ein neues Geschäftsfeld. Ein Markt, in den ihr gehen wollt oder eben nicht. Eine Preisstruktur, die niemand mehr erklären kann. Zwei Kundensegmente, die unterschiedliche Organisationen bräuchten. In solchen Fällen ist ein Sprint ein gutes Werkzeug, weil er das Thema aus der Dauerschleife holt und einen Zeitpunkt setzt, an dem entschieden wird.
Was ihn stark macht, ist die Begrenzung. Keine Strategiearbeit, die sich über ein halbes Jahr zieht und bei der am Ende niemand mehr weiß, warum man eigentlich angefangen hat. Ein klarer Rahmen, ein Ergebnis, eine Verabredung über das, was danach passiert.
Damit das trägt, braucht es ein paar Dinge vorab. Eine Frage, die wirklich eine Frage ist und nicht die Bitte um Bestätigung für etwas, das längst feststeht. Daten, die vorher zusammengetragen wurden, nicht währenddessen. Die Menschen im Raum, die hinterher umsetzen müssen – nicht nur die, die gern mitreden. Und die Bereitschaft, am Ende tatsächlich etwas zu streichen. Ein Sprint, aus dem alle Optionen als "machen wir auch" herausgehen, war ein teurer Workshop.
Und dann die ehrliche Seite: Ein Sprint löst keine Umsetzungsschwäche. Er produziert Klarheit, keine Kapazität. Er kann einen Konflikt im Führungsteam sichtbar machen, aber nicht in zwei Tagen beilegen. Er ersetzt keine Marktkenntnis, die fehlt. Und er wirkt nur dann, wenn nach dem Sprint jemand die Verantwortung für die einzelnen Schritte übernimmt und diese Verantwortung auch ausüben darf.
Genau da bricht es in der Praxis oft weg. Die Strategie liegt vor, sauber dokumentiert, alle waren dabei, alle haben genickt. Sechs Wochen später ist nichts passiert. Am Plan liegt es in den seltensten Fällen. Eher daran, dass jeder einzelne Schritt wieder über denselben Schreibtisch läuft.
Das ist der Punkt, an dem ich genauer hinschaue. Wenn eine Strategie nicht ins Laufen kommt, liegt das selten am Strategiepapier. Häufiger daran, dass die Organisation nicht dafür gebaut ist, diese Strategie zu tragen. Entscheidungswege, die alle an einer Stelle zusammenlaufen. Führungskräfte, die Verantwortung tragen sollen, aber bei jedem zweiten Thema rückfragen – teils, weil die Struktur es so vorsieht, teils, weil sie gelernt haben, dass Rückfragen sicherer ist. Und ja, auch: weil es der Person an der Spitze schwerfällt, Dinge laufen zu lassen, die sie selbst schneller und besser könnte.
Das ist keine Schwäche. Das ist meistens die Folge von Erfolg. Wer ein Unternehmen aufgebaut hat, indem er Probleme selbst gelöst hat, hört damit nicht auf, nur weil das Unternehmen größer wird. Die Frage ist nicht, ob du operativ arbeitest. Die Frage ist, welche Aufgaben in deinem Kalender tatsächlich deine Entscheidung verlangen – und welche davon du bewusst behalten willst.
Wenn du gerade über einen Strategy Sprint nachdenkst, ist das in vielen Fällen die richtige Entscheidung. Wenn du allerdings den Verdacht hast, dass es nicht an der Strategie liegt, sondern daran, dass jede Umsetzung wieder bei dir landet, dann ist die interessantere Arbeit eine andere. Genau dort setze ich an: an der Rolle der Person an der Spitze, im Zusammenhang mit der Organisation, die um sie herum gewachsen ist.
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