Mentoring-Programm im Unternehmen aufbauen: Was es braucht, damit es funktioniert.
Ein Mentoring-Programm ist kein Kalendereintrag.
Es ist eine Struktur, die Wissen weitergibt, ohne dass jemand dafür eine Schulung bauen muss. Und genau deshalb scheitert es so oft: Weil es als nette Idee startet und nicht als Prozess.
Fangen wir vorne an.
Ein internes Mentoring-Programm bringt erfahrene Menschen mit weniger erfahrenen zusammen. Nicht fachlich wie eine Einschulung. Sondern auf der Ebene darüber: Wie trifft man hier Entscheidungen? Was ist ungeschriebenes Gesetz? Wen fragt man, wenn man nicht weiterweiß?
Damit das trägt, brauchst du vier Dinge.
Erstens: ein klares Ziel. Nicht "Wissenstransfer" als Überschrift, sondern eine Antwort auf die Frage, was in sechs Monaten anders sein soll. Sollen neue Mitarbeiter:innen schneller eigenständig arbeiten? Soll Führungsnachwuchs entstehen? Soll Wissen aus einer Abteilung nicht mit einer Person das Haus verlassen? Das sind drei völlig verschiedene Programme.
Zweitens: das Matching. Die Kombination "erfahrenste Person trifft neueste Person" klingt logisch und ist oft falsch. Wer sehr weit weg ist vom Alltag der anderen, kann schwer übersetzen. Zwei Stufen Abstand funktionieren meistens besser als sechs. Und: Die direkte Führungskraft ist selten eine gute Mentorin. Wer über deine Gehaltserhöhung mitentscheidet, ist nicht die Person, der du erzählst, dass du überfordert bist.
Drittens: Zeit, die wirklich existiert. Wenn Mentoring "zusätzlich" passiert, passiert es in Woche drei nicht mehr. Ein Termin pro Monat, 60 bis 90 Minuten, im Kalender blockiert, mit einer klaren Laufzeit von sechs oder zwölf Monaten. Danach endet es oder wird bewusst verlängert. Programme ohne Enddatum schlafen ein und niemand traut sich, das auszusprechen.
Viertens: eine Struktur für das erste Gespräch. Die meisten Tandems scheitern nicht an Unwillen, sondern an Unsicherheit. Zwei Menschen sitzen da und wissen nicht, worüber sie reden sollen. Gib ihnen drei Fragen mit, eine Vereinbarung über Vertraulichkeit und die Erwartung, dass die mentee-Seite die Themen bringt. Nicht umgekehrt.
Was du außerdem klären solltest, bevor du startest: Wer ist für das Programm verantwortlich, wenn es niemand mehr spannend findet? Wer merkt, dass ein Tandem seit acht Wochen nicht gesprochen hat? Ohne diese Person gibt es nach einem Quartal eine Liste und sonst nichts.
Und dann der Teil, den kaum jemand mag: Woran misst du das?
Zufriedenheitsumfragen sagen dir wenig. Aussagekräftiger ist, wie lange neue Mitarbeiter:innen brauchen, bis sie Aufgaben ohne Rückfrage abschließen. Oder wie viele interne Besetzungen du im nächsten Jahr schaffst. Oder ob dieselben drei Fragen noch immer bei derselben Person landen.
Das ist die ehrliche Antwort auf die Frage. Ein gutes Mentoring-Programm ist machbar, es ist nicht kompliziert, und es kostet vor allem Konsequenz.
Jetzt der Teil, der in Gesprächen über Mentoring-Programme fast immer auftaucht.
Sehr häufig entsteht der Wunsch nach so einem Programm aus einem anderen Druck. Es hängt zu viel an zu wenigen Menschen. Oft an einer. Entscheidungen brauchen ihre Freigabe, Wissen liegt in ihrem Kopf, und wenn sie zwei Wochen weg ist, staut sich etwas auf. Mentoring soll das dann verteilen.
Manchmal funktioniert das. Manchmal ist es aber der Versuch, ein strukturelles Problem mit einem Format zu beantworten.
Ich habe das in Recruiting und Personalberatung oft genug gesehen: Recruiting kann eine offene Stelle besetzen. Aber Recruiting kann kein strukturelles Problem lösen, das dazu führt, dass diese Stelle immer wieder offen wird. Bei Mentoring-Programmen ist es dasselbe Muster. Ein Programm kann Wissen weitergeben. Es kann nicht ersetzen, dass die Unternehmerin selbst ihre Rolle verändert.
Und genau das ist der unbequeme Punkt: Ein Unternehmen wächst einfach niemals über die Rolle der Gründerin hinaus.
Wenn du beim Lesen gemerkt hast, dass du gar nicht das Programm suchst, sondern eine Antwort darauf, warum immer noch so viel bei dir hängt: Dafür gibt es den Strategy Day, ein 6-monatiges Mentoring oder das 12-monatige Signature-Programm. Das Ziel ist dabei nie, dich herauszuarbeiten. Sondern dich in die richtige Rolle hineinzuarbeiten.
Wenn dich das gerade betrifft: ein Erstgespräch zeigt in 30 Minuten, ob wir zusammenpassen.
Erstgespräch vereinbaren